Im ersten Teil habe ich davon gesprochen, was Anxiety ist, wie sie sich anfühlt und welchen Nutzen sie hat. In diesem Teil werde ich darüber sprechen, wie Menschen ihr aus dem Weg gehen und welche Folgen dies hat.

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Wenn wir uns selbst ignorieren

Erwachsene, die als Kinder in Familien aufgewachsen sind, in denen ihre Gefühle nicht wertgeschätzt wurden, entwickeln im Normalfall nicht die Fähigkeit, ihre eigenen Gefühle und körperlichen Reaktionen zu lesen, zu verstehen und einzuordnen.
Noch schlimmer ist es, wenn sie als Kinder bestraft, beschämt oder abgelehnt wurden, wenn sie beispielsweise Wut, Trauer oder Angst zeigten. Kinder ziehen sich zurück und beginnen ihre Gefühle vor der Welt und vor sich selbst zu verstecken, wenn sie beispielsweise regelmäßig mit Kommentaren wie folgenden konfrontiert werden:

  • Sei doch nicht immer so empfindlich!
  • Stell dich nicht so an!
  • Jetzt reg dich nicht so künstlich auf!
  • Ach, musst du nun wieder Krokodilstränen drücken?!
  • Hast du mal wieder einen Trotzanfall?
  • Heulsuse!
  • Hör auf zu weinen, sonst geb ich dir was zum Weinen!
  • Mach mal halblang!
  • Immer musst du dich so anstellen!
  • Es gibt doch gar keinen Grund, traurig zu sein!
  • Hör auf, so ein Tamtam zu machen, sonst sperr ich dich ein dein Zimmer!

Kinder, die in einer Familie aufwachsen, in der sie selbst in ihrer Gesamtheit nicht ernst genommen und respektiert werden, verlieren ihre ganz natürliche Verbindung zu ihren Gefühlen. Sie lernen stattdessen, dass „negative“ Gefühle wie Angst, Trauer und besonders Wut nicht akzeptabel sind und vermieden werden müssen.
Dass die sogenannten negativen Emotionen Wut, Trauer und Angst aber wichtig, gesund und notwendig sind, wird übersehen und ignoriert.